Das EU Digital Identity Wallet: Ein vollständiger Leitfaden für Unternehmen
Während die Europäische Union die vollständige Einführung des EU Digital Identity Wallets (EUDI-Wallet) vorantreibt, müssen sich branchenübergreifend Unternehmen auf eine digitale Transformation bei der Identitätsprüfung, dem Onboarding von Kunden und der Durchführung elektronischer Signaturen vorbereiten.
Dieser Leitfaden erläutert, was das EUDI-Wallet für Unternehmen bedeutet, welche neuen Verpflichtungen entstehen und wie Organisationen ihre Abläufe für Onboarding, Identifizierung von Neukunden (Know Your Customer, KYC) / Identifizierung von Geschäftskunden (Know Your Business, KYB), Authentifizierung und elektronische Signaturen auf Wallet-basierte Interaktionen vorbereiten können.
Was ist das EU Digital Identity Wallet?
Das EU Digital Identity Wallet ist ein staatlich unterstütztes digitales Wallet (mobile App), mit dem EU-Bürger vorab verifizierte personenbezogene Daten – wie nationale Personalausweise, Zeugnisse und Führerscheine – speichern und teilen können, um EU-weit auf Dienste zuzugreifen. Organisationen können zudem geschäftliche Wallets (Business Wallets) erhalten, um die Unternehmensidentität im B2B-Umfeld nachzuweisen.
Es handelt sich um eine Initiative der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten.
Hier sind zehn grundlegende Aspekte, die jedes Unternehmen kennen sollte.
Aktueller Ausblick
Die EUDI-Wallets werden ab Ende 2026 schrittweise eingeführt. Ab Ende 2027 gelten für bestimmte vertrauende Parteien (Relying Parties) im öffentlichen und privaten Sektor Akzeptanzpflichten in definierten Anwendungsfällen. Dies schließt Dienste ein, bei denen eine starke Authentifizierung von Benutzern oder eine gesetzlich vorgeschriebene Identifizierung von Benutzern erforderlich ist.
Für regulierte Branchen wie Banken, Finanzdienstleistungen, Zahlungsverkehr und öffentliche Dienste hat die Compliance-Bereitschaft daher höchste Priorität. Unternehmen sollten prüfen, an welchen Stellen Wallet-basierte Identitätsprüfung, Authentifizierung, KYC/KYB und elektronische Signaturen ihre bestehenden Customer Journeys beeinflussen könnten.
Was können Benutzer mit dem EU Digital Identity Wallet tun?
Das EUDI-Wallet ermöglicht Benutzern Folgendes:
- Sicherer Login bei Diensten
- Nachweisen persönlicher Attribute (z. B. Alter, Nationalität) ohne Offenlegung des vollständigen Ausweises
- Elektronisches Signieren von Dokumenten auf dem höchsten Vertrauensniveau (Niveau der Qualifizierten elektronischen Signatur, QES)
- Unterstützen von zahlungsbezogenen Anwendungsfällen wie starker Authentifizierung, Unterzeichnung von Mandaten und der Weitergabe verifizierter Attribute
Geschäftliche Anwendungsfälle für das EUDI-Wallet
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- Sofortige Kontoeröffnung: Ein Benutzer verifiziert seine Identität, teilt verifizierte Nachweise wie Adress- und Einkommensnachweise und signiert digital, um ein Konto zu eröffnen – alles über das EUDI-Wallet und innerhalb von Minuten.
- Grenzüberschreitende Kreditvergabe: Ein deutscher Benutzer beantragt einen Kredit in Spanien. Die Bank greift auf verifizierte Identitäts- und Bonitätsdaten aus dem Wallet zu, erfüllt die lokalen KYC-Gesetze und reduziert gleichzeitig das Betrugsrisiko.
- Sichere E-Mandate für SEPA: Nutzen Sie das Wallet, um elektronische Mandate für Lastschrifteinzüge auszustellen und zu signieren.
- KYC-Effizienz: Wiederverwendbare verifizierte Nachweise können dazu beitragen, die wiederholte Einholung von Dokumenten, manuelle Überprüfungen und Neuverifizierungen über den gesamten Kundenlebenszyklus hinweg zu reduzieren.
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- Vertrauenswürdiger Checkout für BNPL (Buy Now, Pay Later): Der Benutzer teilt seine verifizierte Identität und Kredithistorie aus dem Wallet; der Zahlungsanbieter prüft die Berechtigung in Echtzeit.
- Onboarding von Händlern: Zahlungsdienstleister (Payment Service Providers, PSPs) können gesetzliche Vertreter und wirtschaftlich Berechtigte (Ultimate Beneficial Owners, UBOs) eines Unternehmens mithilfe der EUDI-Wallet-Nachweise sofort verifizieren.
- Starke Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentication, SCA): Step-up-Authentifizierung bei hochwertigen Transaktionen unter Verwendung des EUDI-Wallets.
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- Autovermietung ohne Check-in am Schalter: Der Benutzer verifiziert Führerschein und Ausweis im Voraus über das Wallet. Autoschlüssel werden nach biometrischer Authentifizierung digital ausgegeben.
- Zugang zu Shared Mobility: E-Scooter- oder Carsharing-Apps verifizieren Alter und Identität über das Wallet, bevor Fahrzeuge entsperrt werden.
- Grenzüberschreitende Fahrkarten: Ein Pendler aus Österreich nutzt einen deutschen Mobilitätsdienst, indem er Wohnsitz- und Studentennachweise teilt, um vergünstigte Tarife zu erhalten.
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- Sofortiges Onboarding von Spielern: Verifizieren Sie Alter und Identität von Spielern, bevor Sie den Zugang zu Glücksspielplattformen gewähren. Dies erfüllt regulatorische Anforderungen ohne langwierige manuelle Prüfungen.
- Grenzüberschreitende Einhaltung von Vorschriften (Compliance): Plattformen, die in mehreren EU-Ländern tätig sind, können Spieler mit einem harmonisierten Identitäts-Framework aufnehmen und so die rechtliche Komplexität reduzieren.
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- Digitale Ausstellung von Policen: Verifizieren Sie die Identitäten von Versicherungsnehmern über das Wallet. Kunden können Versicherungsverträge mittels Qualifizierter elektronischer Signaturen (QES) aus dem Wallet signieren.
- Verifizierte Gesundheits- und Fahrnachweise: Während der Angebotserstellung oder im Schadensfall kann der Benutzer verifizierte Dokumente wie medizinische Unterlagen oder die Fahrhistorie teilen.
- B2B-Onboarding: Verifizieren Sie Unternehmensvertreter und juristische Personen für gewerbliche Versicherungen in Echtzeit.
Vorteile des EU Digital Identity Wallets für Unternehmen
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Sicherheit auf behördlichem Niveau
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Reibungslose Interaktionen
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Manipulationssichere Nachweise
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Qualifizierte elektronische Signaturen (QES)
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Datenschutz und DSGVO (GDPR) im Mittelpunkt
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Grenzüberschreitende Interoperabilität
Für Unternehmen bedeutet das
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Einfachere grenzüberschreitende Geschäftstätigkeiten
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Reduzierter Betrug
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Einfachere Einhaltung der Vorschriften zur Identifizierung von Neukunden (Know Your Customer, KYC) / Geldwäschebekämpfung (Anti-Money Laundering, AML)
Wie Sie Ihr Unternehmen auf die Implementierung des EUDI-Wallets vorbereiten
1. Stellen Sie verifizierte Nachweise in das Wallet aus
Signicat, ein Qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter, unterstützt Unternehmen, Regierungsbehörden und Wallet-Herausgeber bei der Ausstellung verifizierter Nachweise in jedes digitale Identity Wallet, einschließlich des EUDI-Wallets. Verifizierte Nachweise können ein Einkommensnachweis, eine Versicherungsscheinnummer oder jede andere Information sein, die ein Benutzer besitzt. Diese Funktion wurde kürzlich mit der norwegischen Regierung im Rahmen des NOBID Large Scale Pilots demonstriert.
2. Akzeptieren Sie Wallet-basierte Identitätsprüfung und KYC/KYB
Verifizieren Sie die Identität eines Benutzers und weitere Attribute (wie Alter und Adresse) über das EUDI-Wallet als nahtlose Erweiterung zur Verifizierung mit eIDs oder Ausweisdokumenten. Von einfachen Registrierungen bis hin zu komplexen KYC-Prozessen: Die Unterstützung sowohl aktueller als auch künftiger Methoden gewährleistet einen reibungslosen Übergang in eine Wallet-basierte Zukunft.
3. Ermöglichen Sie Wallet-basierten Login und Authentifizierung
Das Hinzufügen einer zusätzlichen Option zum „Einloggen über das EUDI-Wallet“ zu Ihren Diensten bietet eine sowohl sichere (Starke Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentication, SCA)) als auch reibungslose Methode der Authentifizierung. Darüber hinaus hilft es regulierten Branchen, die Vorschriften zur zwingenden Akzeptanz des Wallets für die Authentifizierung einzuhalten.
4. Fügen Sie Wallet-basiertes elektronisches Signieren hinzu
Das Hinzufügen des EUDI-Wallets als Ergänzung zu eIDs und anderen gängigen digitalen Signaturverfahren ermöglicht das papierlose Signieren von Verträgen und Vereinbarungen. Wallet-gestütztes Signieren kann dazu beitragen, den manuellen Aufwand zu reduzieren, die Abschlusszeiten von Verträgen zu verkürzen und EU-weit rechtsgültige elektronische Signaturen zu unterstützen, einschließlich Qualifizierter elektronischer Signaturen (QES), sofern die erforderlichen qualifizierten Vertrauensdienste eingesetzt werden.
Warum Signicat für die EUDI-Wallet-Bereitschaft wählen?
Signicat ist ein Qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter, eine Organisation auf der EU-Vertrauensliste (EU Trusted Service List), Teil von drei EUDI Large Scale Pilots, spielt eine aktive Rolle bei der Gestaltung europäischer Standards und hat eine nachgewiesene Erfolgsbilanz im Angebot von Diensten auf Bankenniveau, welche die strengsten Sicherheits- und Compliance-Anforderungen in Europa erfüllen.
Als führender Anbieter von Lösungen für digitale Identitäten in Europa integriert Signicat Wallet-basierte Lösungen in sein aktuelles Lösungsportfolio. Dies macht nicht nur die bestehenden Lösungen zukunftssicher, sondern ermöglicht auch einen schrittweisen und nahtlosen Übergang zu Wallet-basierten Lösungen.
EUDI-Wallet-FAQ für Unternehmen
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Nein, nicht jedes Unternehmen muss die EUDI-Wallet akzeptieren. Für viele öffentliche Stellen sowie für größere private vertrauende Parteien, sogenannte Relying Parties, wird die Akzeptanz jedoch relevant bzw. verpflichtend. Das gilt insbesondere, wenn für Online-Dienste eine elektronische Identifizierung oder starke Nutzerauthentifizierung gesetzlich oder vertraglich vorgeschrieben ist – etwa in den Bereichen Banking, Finanzdienstleistungen, Telekommunikation, Gesundheit, Energie, Verkehr, digitale Infrastruktur oder Bildung. Die staatliche EUDI-Wallet in Deutschland soll ab Anfang 2027 verfügbar sein; betroffene Organisationen sollten ihre Identifizierungs-, Authentifizierungs- und Onboarding-Prozesse daher frühzeitig auf die Akzeptanz von EUDI-Wallets vorbereiten.
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Bestehende nationale eIDs sind in der Regel an die Identitätsinfrastruktur eines einzigen Landes gebunden. Das EUDI-Wallet ist darauf ausgelegt, über ein gemeinsames EU-Rahmenwerk grenzüberschreitende Identitäten, die Weitergabe von Attributen, Authentifizierung und das Signieren zu unterstützen.
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Ja, es muss diese jedoch nicht ersetzen. Das EUDI-Wallet kann als zusätzliche vertrauenswürdige Quelle für Identitäts- und Attributdaten parallel zu bestehenden eIDs, Überprüfungen von Ausweisdokumenten, Registerabfragen und risikobasierten Prozessen zur Identifizierung von Neukunden (Know Your Customer, KYC) / Geldwäschebekämpfung (Anti-Money Laundering, AML) fungieren.
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Es kann die Kosten in ausgewählten Workflows senken, indem es wiederholte Dokumentenuploads, manuelle Prüfungen und Neuverifizierungen einschränkt. Die genauen Auswirkungen hängen vom Anwendungsfall, dem Risikomodell, den regulatorischen Anforderungen und der Verbreitung des Wallets bei den Kunden ab.
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Ja. Das Wallet kann Prozesse für elektronische Signaturen unterstützen. Für Qualifizierte elektronische Signaturen (QES) muss der Signaturfluss die erforderlichen qualifizierten Vertrauensdienste nutzen und die Vorgaben der eIDAS-Verordnung erfüllen.